Skalar (Pterophyllum scalare)

Stand vom 18.8.2011

Allgemeines:

Pterophyllum scalare gehört in den meisten Zoohandlungen zum Standartinventar und ist deshalb oft in Aquarien anzutreffen. Das natürliche Vorkommen erstreckt sich über das ganze Amazonasgebiet, in denen Pterophyllum scalare hauptsächlich verkrautete, ruhige Gewässer, aber auch größere Flüsse und Seen bewohnt. Leider wird es immer schwerer die Naturform von Pterophyllum scalare zu kaufen, da diese immer mehr von Farbzuchten aus den Zooläden vertrieben wird. Anzumerken ist, dass Farbzuchten oftmals ein gestörtes Brutpflegeverhalten hinlegen oder innerartlich aggressiver agieren als die Naturformen. Neben Pterophyllum scalare gibt es nach momentanem Wissenschaftsstandpunkt noch zwei weitere Arten: Pterophyllum altum und Pterophyllum leopoldi, welche allerdings auch recht selten im Standartsortiment irgendwelcher Zooläden zu finden sind.

 

Weiter ist bei den Farbzuchten eine maximale Körperhöhe von 15cm anzumuten. Wildfänge erreichen teils Größen von 30-40cm und mehr! Wildformnahe Zuchtstämme können ebenfalls teils 20-30cm groß werden! Dementsprechend ist es wichtig, sein Aquarium hoch genug zu planen. Und mit einer Lebenserwartung von mehr als 10 Jahren ist die Artgerechte Unterbringung umso wichtiger. Weiteres siehe unter Haltung und Aquarium.

Pterophyllum scalare ist auf eine Karnivore Lebensweise spezialisiert, das heißt es steht hauptsächlich Lebendfutter auf dem Speiseplan. Dies sollte bei Vergesellschaftungsbecken berücksichtigt werden.

 

Zudem sollte man für eine erfolgreiche Haltung dem Sozialverhalten etwas mehr Beachtung schenken. Skalare sind Buntbasche und werden es auch immer bleiben! Gerade in der Paarungszeit legen sie ein sehr territoriales Verhalten an den Tag. Als Jungfische sind Skalare zum Schutz vor Fressfeinden in größeren Gruppen organisiert, was auch im Aquarium nachgeahmt werden sollte. Je nach Beckengröße eine Jungtiergruppe von 6-10 Tieren wäre anzuraten. So erlernen die Jungtiere beim heranwachsen auch verstärkt ihr Artspezifisches Verhalten wie Kommunikationsformen und Abgrenzung. Diese Verhaltensmuster werden pausenlos „geübt“, man kann oft schon bei halbwüchsigen etwa 6cm hohen Exemplaren Rivalitätsmuster erkennen. Ist das Aquarium richtig eingerichtet, besteht kein hohes Risiko einer ernsten Unterdrückung, allerdings sollte später die Gruppe nach und nach verkleinert werden, bis nur noch diejenigen Tiere im Becken vorhanden sind, bei denen es zu keinen größeren Spannungen oder gar Unterdrückungen kommt. Mit dem eintreten in die Geschlechtsreife bilden sich Paare aus den Gruppen heraus. Spätestens dann sollten alle Pterophyllum scalare mit Unterdrückungsanzeichen abgegeben werden.

 

Es ist mir ein sehr interessanter Bericht zugekommen, indem von fünf ausgewachsenen Tieren die Rede ist, welche in einem 1400L Aquarium untergebracht sind. Nach den Beobachtungen des Besitzers nimmt ein Pärchen in der Brutzeit ein Revier mit einem 50cm Radius für sich in Anspruch. Dies ist ein Durchmesser von einem Meter! Dementsprechend ist in einem Standartbecken dann sehr schnell Schluss für den Platz weiterer Reviere. Weitere Tiere haben also in einem zu kleinen Aquarium nichts mehr zu suchen, da sie durch das Dominante Paar durchgehend gejagt und aus dem Revier verbissen werden. Grob geschätzt führt dies in 8 von 10 Fällen zum Tod der unterlegenen Tiere. Eine Paarweiße Haltung wiederspricht zwar der Natürlichen Verhaltensweise dieser Fische, da sie außerhalb der Paarungszeit in kleinen Gruppen leben, allerdings sollte zum Wohle der Tiere auf eine Paarhaltung Wert gelegt werden.

Was also wirklich Beachten? Prinzipiell sollte also auf eine Gruppenhaltung von Jungtieren geachtet werden. Dafür sollte ein gut eingerichtetes (Siehe Aquarium) Aquarium mit den Maßen 100x50x60cm (LxBxH) ausreichen. Beim Eintritt in die Geschlechtsreife gibt es zwei wichtige Punkte:

  1. Es ist definitiv ratsam die Tiere in ein größeres Becken überzusiedeln.
  2. Tiere, welche aktiv aus der Gruppe verbissen werden und beim Fressen unterdrückt werden müssen aus dem Becken genommen werden, da sie sonst unweigerlich durch übermäßigen Stress eingehen.

Spätestens wenn sich ein Paar gefunden hat, sollte man in Erwägung ziehen, alle Tiere bis auf das harmonierende Paar abzugeben. Wie erwähnt nimmt ein Paar einen Revierradius von 50cm in Anspruch, und bei einem Meter sind die Kapazitäten der meisten Becken in Wohnzimmern schnell ausgereizt. In meinem 180x50x60cm (LxBxH) Aquarium war die Kapazität mit vier Tieren mehr als ausgereizt, und nach etwa 2 Jahren musste ich beide Paare trennen.

 

Nun möchte ich noch auf die Vergesellschaftungsfähigkeit eingehen. Kleinbleibende Fische wie rote Neons oder Guppys enden bei ausgewachsenen Skalaren schnell als Imbiss für zwischen durch. Die Behauptung, dies würde bei gemeinsamer Aufzucht beider Fischarten vermieden werden, kann ich nicht teilen. Beifische ab einer Größe von 4-5cm sollten aber in der Regel gute Überlebenschangsen haben. Die besten Erfahrungen wurden mit der Vergesellschaftung von Bodenfischen wie Ancistrus spec. oder Corydoras spec. gemacht. Von zu groß werdenden Saugwelsen ist abzuraten, sie können sich nachts an die ruhig stehenden Skalare saugen, und diese so verletzen! Zudem sollte bei der Wahl der Beifische darauf geachtet werden, dass es keine zu nervösen Arten sind, sondern etwas „gemütlichere“ um den Skalaren überflüssigen Stress zu ersparen.

Haltung:

Eine Beckengröße von 100x50x50cm (LxBxH) ist für ein harmonierendes Paar die absolute Untergrenze! Besser wäre aus meiner Sicht eine Mindestbeckengröße von 140x50x50cm (LxBxH). Ersteres dürfte zur Aufzucht von 6-8 Jungtieren genügen. Zu starke Strömung sollte vermieden werden, allerdings ist auf klares Wasser zu achten, da sich Skalare nach meinen Beobachtungen in trübem Wasser sehr angespannt verhalten. Ansonsten ist Pterophyllum scalare gegenüber der Wasserqualität sehr anspruchslos aber um sie wirklich Artgerecht zu halten, sollte man sich die Wasserwerte des Amazonas genauer ansehen. Das Amazonaswasser ist vereinzelt mit einem Ph-Wert von 5,5 sehr sauer und mit einer Gesamthärte von maximal 8°dGH sehr weich. Dies in einem Aquarium zu realisieren ist je nach Leitungswasserqualität sehr schwierig, gerade in Kalkreichen gebieten wie dem Alpenraum, weshalb dringlichst eine Umkehr-Osmoseanlage anzuraten ist. Durch die Schwierigkeit das optimale Wasser bereit zu stellen, sehe ich in Skalaren keine Anfängerfische. Mehr sind sie für erfahrene Halter zu empfehlen, welche seit geraumer Zeit ihre Erfahrungen sammeln und sich gut vorbereiten.

Die Temperaturen des Wassers können Jahreszeitlich bedingt schwanken. Im Natürlichen Biotop ist meist von 23-30°C auszugehen, allerdings gab es während mehrerer Trockenzeiten Messungen in kleinen Teichen und Bächen, bei denen die Wassertemperatur bei teils 40°C lag. Hier ist also davon auszugehen, dass Skalare sehr widerstandsfähig sind was die Temperaturen angeht. Empfehlen würde ich eine Standarttemperatur von 26-28°C, jedoch nie dauerhaft unter 25°C oder über 30°C.

Aquarium:

Richten wir unser Augenmerk zunächst auf die Technik. Um das Aquarienwasser dauerhaft und problemlos auf die empfohlene Temperatur zu bringen, ist ein Aquarienheizstab unerlässlich. Jedoch sollte darauf geachtet werden, dass sich die Tiere nicht zwischen Heizstab und Aquarienscheibe verklemmen können, und sich somit ernste Verletzungen zufügen können oder Verbrennungen erleiden.

 

Die Filterung gestaltet sich einfach, jedoch sollte man wie oben erwähnt auf eine nicht zu starke Strömung achten. Ein Düsenstrahlrohr verteilt das ausströmende Wasser gleichmäßig und ist in nach meiner Erfahrung besser zu installieren. Hier hat man auch die Möglichkeit die Strömung gezielt zu richten, um beispielsweiße nur die Wasseroberfläche einer starken Strömung auszusetzen.

 

Bezüglich der Bepflanzung des Aquariums ist auf eines zu achten: Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten. Stellenweise sollte eine sehr dichte Bepflanzung aus Stängelpflanzen und dicht gewachsenen Vallisnerien vorhanden sein. Es ist zudem auch darauf zu achten, dass nicht nur im vorderen Bereich des Behältnisses freier Schwimmraum zur Verfügung steht, sondern auch außerhalb des Sichtbereiches, wie beispielsweise hinter einer „Wand“ aus Cabomba. Senkrecht eingebrachte Wurzeln und kalkfreie Steine verschiedenster Größe bringen zusätzliche Rückzugsmöglichkeiten.

Frostfutter-Auswahl

Futter:

Wie erwähnt ist Pterophyllum scalare auf eine Karnivore Lebensweise spezialisiert, was auch unbedingt zu beachten ist. Lebende kost wie Artemia, kleine Fischa alá junge von Guppys, Mysis oder andere kleine Garnelen sollten immer zur Verfügung stehen. Als Frostfutter eignen sich am besten weiße und schwarze Mückenlarven, Artemia sowie ab und an rote Mückenlarven. Wichtig ist aber die Abwechslung der Futtersorten! Am besten nach jeder Fütterung das Futter wechseln. Gefüttert sollten die Skalare etwa alle zwei bis drei Tage. Jungfische sollten mindestens jeden zweiten, am besten einmal am Tag gefüttert werden, da sie sonst sehr schnell Mangelerscheinungen und Kümmerwuchs aufweißen!

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