Stand vom 26.4.2011
Allgemeines:
Der Diskusfisch wird gerne als Königsdisziplin der Aquaristik bezeichnet und ist wohl auch einer der schönsten Fische überhaupt! Aber im Grunde muss man sich vor Augen halten, dass es eigentlich ein Fisch wie jeder andere auch ist. Die Haltung ist meiner Meinung nach nicht schwer, dagegen die Schaffung eines künstlichen Biotops schon (Hierzu später mehr). Eben aus diesem Grund ist dieser Fisch nichts für Anfänger! Gerade die Aufzucht juveniler Fische ist heikel und sollte Erfahrenen überlassen werden.
In der Aquaristik finden sich hauptsächlich Farbzuchten, und das in allen möglichen Farbkombinationen. Wildtypen sind zwar zu erhalten, aber meist auch nicht mehr "reinrassig". Mit einem maximalen Durchmesser von gut 20cm erreichen diese Fische eine stattliche Größe und sind nichts für kleine Aquarien. Altersangaben gibt es viele, mir liegen Berichte vor, in denen von bis zu 15 Jahren die Rede ist. Den natürlichen Lebensraum bildet der Amazonas, einschließlich der Nebenflüsse, etwa von den Osthängen der Anden bis zur Mündung in den Atlantik. Der Diskus, oder genauer Diskusbuntbarsch, gehört wie der Name schon sagt, zu den Barschartigen, und ist dementsprechend räuberrisch veranlagt. Allerdings ist er keineswegs aggressiv oder ein Räuber im klassischen Sinn. Da in der Aquarienhaltung kein Feinddruck besteht, fällt diese soziale Komponente weg, und andere Verhaltensmuster werden gestärkt. Sowohl in der Natur als auch im Aquarium legt dieser Fisch ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten nach Alpha-Muster an den Tag. Wie Skalare lebt Symphysodon aequifasciatus in jungen Jahren in größeren Schwärmen zusammen. Das Gruppenverhalten wird zwar beibehalten, allerdings nimmt die Anzahl der im Schwarm lebenden Tiere ab. Nur während der Paarungszeit kommt es dazu, dass Paare revieren beziehen, und diese auch aggressiv verteidigen.
Wenn man sich nun das Verhalten genauer ansieht, kommt schnell die Frage nach der optimalen Gruppengröße auf. Ein Überbesatz bringt zu viel Stress mit sich, und ist zu vermeiden. Genauso unangebracht sind die Einzel- oder Paarhaltungen, hierbei kümmern die Tiere und machen den Eindruck von Langweile, wie ich es oft bei Quarantänetieren beobachten konnte. Zudem fallen hier wichtige Soziale Reize weg. Bei kleingruppen von 3-5 Tieren, bildet sich sehr schnell eine Hackordnung aus, meist mit einem, selten mit mehr Tieren, welche regelmäßig vor allem bei der Fütterung aus der Gruppe gejagt werden. Wenn nicht genügend Ruhe- und Rückzugsorte in einem Becken zur Verfügung stehen, kann es zur Nahrungsverweigerung kommen, und somit zu Verlusten! Alles in allem ist zu viel und zu wenig nichts! Eine Gruppe sollte definitiv aus mindestens 5, eher 6 Tieren bestehen, je nachdem wie groß das zur Verfügung stehende Becken ist. Wer es sich zutraut, sollte sich eine etwas größere Gruppe an jungfischen zulegen, und später die Tiere wieder abgeben, welche in der Gruppe nicht harmonieren. Jedoch ist die Aufzucht wie oben stehend, nichts für Anfänger.
Zum Thema Vergesellschaftung kann ich nur sagen, dass es mit Bodenlebenden Arten, wie Ancistrus spec., Dornaugen, Schmerlen, Schnecken und Corydora spec. problemlos funktioniert. Neons können auch vergesellschaftet werden, jedoch sollten diese dann vor den Disken im Becken sein, und wenn möglich auch bereits ausgewachsen. Ansonsten werden sie als potenzielle Nahrung angesehen. Auch lebendgebärende wie Guppy, Platy und Black Molly sind möglich, jedoch ist hier auf eine nicht zu hohe Besatzdichte zu achten, sonst werden die Symphysodon zu sehr gestresst. Vorteil von lebendgebärenden ist, dass deren Nachwuchs eine willkommene Nahrung für die Diskusbuntbarsche ist. Zu lebhafte Fische, oder solche, die gerne an Flossen nagen, sind keine gute Wahl, auch sollten keine Skalare vergesellschaftet werden.
Haltung:
Wie oben erwähnt halte ich die Haltung für gut machbar. Gerade Deutsche Nachzuchten sind recht unempfindlich gegenüber hartem Wasser. Jedoch sollte man sich hier ganz genau vor Augen halten, dass Symphysodon aequifasciatus schon immer ein Weichwasserbewohner war, ist und es auch immer bleiben wird. Wer diese Fische wirklich Artgerecht halten will, sollte die Gesamthärte des Wassers unter den 10°dGH halten, sowie einen maximalen PH-Wert von 6,8 einhalten. Zwar werden höhere Werte durchaus toleriert, jedoch kann dies zum Stressfaktor werden und für Probleme, wenn nicht gar Langzeitschäden, sorgen. Die Haltung in Wasser, welches ins alkalische abdriftet, ist definitiv zu vermeiden!
Als Beleuchtung empfiehlt es sich, auf etwas Helleres zurückzugreifen. Je heller es ist, desto weniger bedrohlich wirkende Schatte entstehen, und die Diskusbuntbarsche reagieren nicht so schreckhaft auf Bewegungen außerhalb des Beckens. Zudem kann mit einer Beleuchtung, beispielsweise HQI oder HCI, das Wasser erwärmt werden. Somit würde die Notwenigkeit einer zusätzlichen Heizung wegfallen, vorausgesetzt man erreicht die Nötigen Temperaturen!
Wasserwerte:
Die wohl besten Wasserwerte wären:
PH-Wert: 5,5-6,5
Gesamthärte: unter 10°dGH
Karbonathärte:1-5
Temperatur: 26-30°C, optimal wären 28°C
Aquarium:
Wer diese Tiere dauerhaft Artgerecht halten will, muss für genügend Platz sorgen. Die absolut untere Beckengröße ist mit 160x50x50cm (LxBxH) anzugeben. Alles unter diesen Maßen wird zur puren Quälerei. Da Symphysodon aequifasciatus ein hohes Deckungsbedürfnis aufweist, solle nicht nur auf genügend freien Schwimmraum, sondern auch auf eine dichte Bepflanzung Wert gelegt werden. Auch senkrecht aufgestellte Strukturen wie Wurzeln oder Kalkfreie Steinaufbauten sind hier möglich, wenn nicht sogar Pflicht. Diese Verstecke ermöglichen es den Tieren sich vor dem Beckenpfleger zurückzuziehen und sich den Blicken fremder zu entziehen. Aber auch bieten sie Rückzugspunkte für diejenigen Tiere, die in der Gruppe die Unterlegenen darstellen. Auch sollte eventuell eine Mulmschicht in Betracht gezogen werden, Beobachtungen haben gezeigt, dass Symphysodon aequifasciatus in seiner Heimat den Bodengrund auf der Suche nach Nahrung durchwühlt und regelrecht durchkaut.
Auch ist eine Beckenbeheizung wichtig, um der Haltung der Tiere gerecht zu werden sollte die Temperatur etwa bei 26-30°C liegen. Hierfür wird eine gute Heizung unabdingbar sein. Ob nun Heizstab oder Bodenfluter ist hier Nebensache. Auch eine ausreichende Filterrung sollte vorhanden sein. Mein Becken wird pro Stunde 3-mal umgewälzt. Welche Rolle die Klarheit des Wassers darstellt, weis ich nicht. Mein Wasser wird, je nachdem wie viel Mulm sich im Becken befindet, gerne mal etwas trüb. Negative Auswirkungen hatte dies nicht, im Gegenteil! Der Mulm stabilisiert die Wasserwerte und das Mikroklima, zudem Bauen die Bakterien in ihm schädliche Stoffe ab.
Die Nahrung:
Wohl eines der größeren Probleme in der Diskusbuntbarschhaltung wird die richtige Ernährung sein. Das natürliche Nahrungsspecktrum umschließt Würmer, Insektenlarven, Krebse und Pflanzliche Kost. In der Aquarienhaltung ist meiner Meinung nach die Fütterung mit Lebend- und Frostfutter unumgänglich. Schaut man sich die Futtersorten genauer an, fällt einem der hohe Anteil an nicht oder schlecht verdaubaren Materialien auf, wie z.B. Chitin. Bei der Futterwahl sollte hierauf auch geachtet werden.
Als Futter haben sich, in dieser Reihenfolge, vor allem Schwebegarnelen, sogenannte "Mysis" bewährt, aber auch Wasserflöhe, Artemia, weiße sowie schwarze Mückenlarven und verschiedene kleine Fische wie z.B. der Nachwuchs von Guppys. Ob nun Lebend- oder Frostfutter ist hier egal, jedoch sollte beides geboten werden! Von Diskusgranulatfutter halte ich persönlich nichts, da es oft nicht ausgewogen ist. Viele füttern ihre Fische 1-3 mal am Tag. Davon nehme ich Abstand. Meine Fische bekommen alle 3-7 Tage so viel Frostfutter wie sie innerhalb einer halben Stunde fressen können. Dass dabei das Futter auf den Boden sinkt ist beabsichtigt! Lebendfutter bekommen sie je nach Bedarf, sobald ich von einer Futtersorte nichts mehr sehe, wird wieder aufgestockt.
Jungfische hingegen sollten doch täglich 2-3 mal sparsam gefüttert werden. Denn sonst geht man das Risiko ein, dass sie Mangelerscheinungen bekommen.
Noch ein Schlusswort:
Durch die auf Produktivität ausgelegten Massenzuchten, wie sie immer öfters auftauchen, und die sehr Sterilen Haltungsbedingungen in diesen Zuchten, welche nur die minimalsten Haltungsansprüche befriedigen, und die meist falsche Ernährung rein mit Kraftfutter, ist es meiner Meinung nach schwer, einen wirklich gesunden Fisch zu bekommen! Die wohl besten Bezugsquellen sind private Hobbyzüchter, die nicht nur Geld im Kopf haben, sondern auch genügend Wissen um diese Tiere.