Stand vom 25.12.2011
Allgemeines:
Der „Braune Antennenwels“ oder wie er oft in Zooläden zu finden ist: „Blauer Antennenwels“, ist wohl einer der Fische, die in 9 von 10 Aquarien zu finden sind. Leider wird er oft vollkommen falsch gepflegt, mit Folgen, hierzu später mehr.
Richten wir uns der Namensgebung zu. „Blauer Antennenwels“, so wird er in vielen, leider zu vielen, Aquariengeschäften gehandelt. Dieser Name ist aber falsch vergeben! Denn der „Blaue“ Wels hat den wissenschaftlichen Namen Ancistrus dolichopterus (L 183) und ist wenn überhaupt nur für Preise größer als 30€ zu bekommen. Der „Braune“, um den es hier nun gehen soll, wird unter Ancistrus spec. gehandelt. Da aber viele Ancistren nicht näher bestimmt sind, wurden die sogenannten L-Nummern eingeführt. Jedoch besitzt der gewöhnliche Braune Antennenwels keine solche Nummer, da er vermutlicher weise keinen natürlichen Uhrsprung mehr hat, sondern das Ergebnis von verschiedensten Kreuzungen in Aquarien ist.
Da aber die Zuchtlinie auf Wildfänge des Amazonas zurück zu führen ist, ist es wohl auch ratsam sich den Amazonas genauer anzusehen um eine Artgerechte Haltung zu gewährleisten. Dort ist das Wasser sehr weich, hat also kaum gelöste Mineralsalze, sehr Sauerstoff reich, mit Ph-Werten von 5,5-6,5 recht Sauer und außerhalb der Regenzeit ist das Wasser sehr klar. Zwar sind die Braunen Antennenwelse den Wasserwerten gegenüber mehr als anspruchslos, jedoch sollte man den Tieren zu liebe versuchen optimale Bedingungen zu schaffen. Ph-Werte die 7,5 übersteigen sollten besser vermieden werden, und die GH sollte auch nicht mehr als maximal 15°d GH betragen.
Nun zu den oben angesprochenen Folgen falscher Haltung. In fast jedem Becken sind diese Fische anzutreffen. Was viele nicht wissen, sie erreichen, wenn auch erst nach Jahren, eine Endgröße von etwa 15cm +/-, wenn sie nicht schon Genetisch vorbelastet sind oder unter Kümmerwuchs leiden. Aquarien mit 80cm Kantenlänge und weniger sind absolut ungeeignet und haben dann sehr schnell ihre Kapazitäten ausgeschöpft. Ein weiterer Punkt den viele Halter erst nach dem Kauf in Erfahrung bringen: das erreichbare Alter. Die Rede ist nicht von etwa fünf Jahren sondern von 15, 20 oder gar 30 Jahren. Das älteste mir bekannte Tier hat ein Alter von rund 28 Jahren bei einer Länge von 19cm. Leider werden diese Fische in „Fach-„ Geschäften gerne als „die“ Lösung für Algen angepriesen. Fakt ist, sie fressen Algen, jedoch nicht in einem Ausmaß um bei Algenproblemen zu helfen. Zudem liegen bei Algenproblemen grundsätzlich andere Fehler vor, die nicht mit dem einbringen von Algenfressern bewältigt werden können! Ich Verurteile den Kauf eines Tieres als „Problemlöser“ aufs schärfste und finde so etwas unverantwortlich und leichtsinnig, denn diese Fische haben wie alle andere Lebewesen auch einen Anspruch auf gerechte Haltung, welche bei solchen Vorrausetzungen nicht gegeben ist.
Da es sich um durchaus territoriale Tiere handelt, sollte man genügend Höhlen und sonstige Verstecke in Form von Wurzeln und ähnlichem anbieten. Eine Paarhaltung oder je nach Aquariengröße eine Gruppenhaltung weniger als 5 Tiere hat sich bewährt. Die Geschlechter können ab etwa 6-8cm gut erkannt werden. Männliche Tiere haben am Kopfbereich einen Dornenbewuchs, welcher bei weiblichen Tieren fehlt. Schön mit anzusehen ist das Brutpflegeverhalten, das Männchen sucht nach einem geeigneten Laichplatz in Form von Tonhöhlen, in Spalten von Wurzeln oder direkt unter Einrichtungsgegenständen. Auch bewachen männliche Antennenwelse ihre Gelege bis deren Nachwuchs etwa ein, eineinhalb Zentimeter erreicht hat. Rivalen und sogenannte Nesträuber werden nach meinen Beobachtungen versucht zu verscheuchen.
Eine Vergesellschaftung ist mit fast allen Fischen, Schnecken und Garnelen möglich. Jedoch würde ich von einer Vergesellschaftung mit anderen Ancistrus-Arten absehen.
Haltung:
Als territoriale Tiere sollten sie in nicht zu großen Gruppen gehalten werden, eventueller Nachwuchs muss auch mit bedacht werden. Versteckmöglichkeiten sind das A und O um Revierstreitigkeiten aus dem Weg zu gehen, und um sicher zu stellen, dass unterlegene Tiere dem oder gar den Aggressoren aus dem Weg gehen können. Echte Wurzeln sollten in jedem Fall in den Becken vorhanden sein, da der Braune Antennenwels bestimmte Bestandteile für seine Verdauung benötigt. Weiterer Bodenbesatz ist in kleineren Becken nicht zu empfehlen. Je nach Größe könnten die Braunen Antennenwelse den übrigen Bodenbewohnern eine solche Nahrungskonkurrenz bieten, dass jene das Nachsehen hätten. Wie erwähnt sollten Ph-Werte über 7,5 sowie GH-Werte über 15°dGH vermieden werden, der KH-Wert sollte unter 8 bleiben. Was die Temperatur angeht sind diese Fische sehr robust. Empfehlen würde ich 25-28°C, jedoch nie dauerhaft darunter. In Diskusbuntbarschbecken scheinen sie sich auch bei 30°C wohl zu fühlen.
Aquarium:
Wie erwähnt sind Kantenlängen unter 80cm alles andere als optimal. Empfehlen würde ich Becken mit einer Länge ab 120cm für zwei bis drei adulte Tiere. Mehr sollten es jedoch nicht sein.
Die Bepflanzung kann nach Wunsch gewählt werden. Zwar kommt es vor, dass Pflanzen versehentlich aus dem Bodengrund gezogen werden, jedoch wurden bei mir noch keine Pflanzen angegangen. Stellenweise sollte die Bepflanzung etwas dichter ausfallen um Deckungsmöglichkeiten zu schaffen. Zu empfehlen sind hartblättrige Pflanzen wie Anubien.
Der Bodengrund kann beliebig gewählt werden. Sand oder feiner Kies hat sich bewährt. Allerdings ist dringlichst darauf zu achten keinen scharfkantigen Kies zu verwenden! Dieser kann den Tieren ernsthafte Verletzungen zufügen, wenn nicht gar zum Verlust führen!
Futter:
Durch ihre Omnivore Lebensweise sollte sehr abwechslungsreich gefüttert werden, weder darf Pflanzliche Kost wie Algen, Gurke oder überbrühter Salat fehlen, noch Frostfutter wie Garnele, Artemia, Mückenlarven und Mysis.
Zucht:
Die Zucht geschieht bei guten Haltungsparametern von selbst. Laichhöhlen aus Ton und Steinaufbauten werden gerne als Ablaichmöglichkeit genutzt. Wie oben zu lesen übernimmt das Männchen die Brutpflege. Fische die sich dem Gelege zu sehr nähern werden verjagt.