Stand vom 18.8.2011
Allgemeines:
Die Chinesische Rotbauchunke, Bombina orientalis, ist die am häufigsten in Aquaterrarien anzutreffende Bombina-Art. Bombina orientalis zeichnet sich durch ihren meist intensiv rot gefärbten Bauch, und ihrer herzförmigen Pupillen aus. Die Grundfärbung ist meist grün oder braun, aber auch Exemplare mit beiden Farben, oder ab und an albinotische Tieren, sogenannte Goldunken, kommen vor. Die erreichbare Größe schwankt, meiner Erfahrung nach, durch die Aufzuchtbedinungen der Quappen. Bei kühleren Haltungsbedingungen um 18-20°C wurden meine Nachzuchten oft sechs Zentimeter groß. Bei wärmeren Wassertemperaturen waren es meist vier, selten fünf Zentimeter.
Ihr Lebensraum ist das Nordöstliche China bis Korea, Grenzgebiete zu Russland, und angeblich soll auch eine kleine Population auf der Japanischen Insel vorkommen. Bombina orientalis ist meist an stehenden Gewässern, kleineren Bächen oder langsam fließenden Flüssen zu finden. Allerdings auch oft in Reisfeldern, feuchten Wiesen oder Feuchtwäldern. Nach meinen Erfahrungen kann ich die Dämmerungs- und Nachtaktive Lebensweise nur teilweiße bestätigen. Oftmals sehe ich meine Tiere tags über den Landteil durchstöbernd auf der Suche nach weißen Asseln und Regenwürmern. Sie reagieren sehr neugierig auf Bewegungen aller Art, so kann es durchaus vorkommen dass bei Arbeiten im Aquaterrarium nach einem Finger geschnappt wird. Auch wird im Streit um Futter gelegentlich ein Bein des Gegenübers gepackt. Verletzungen haben sie hiervon glücklicherweise nie davon getragen.
Ihren roten Bauch verlieren sie leider nach einigen Jahren im Aquaterrarium da ihnen scheinbar der rote Farbstoff aus ihrer natürlichen Nahrung fehlt. Es gab Versuche, Futtertiere mit dem Farbstoff Canthaxantin zu bestäuben, welcher auch für Ziervögel eingesetzt wird. Jedoch soll sich dieser künstliche Farbstoff auch in den Augen der Unken angelagert haben, und so zur Erblindung geführt haben. Zwar sollen solche Fälle eher Ausnahmen sein, jedoch verzichte ich zum Wohle der Tiere auf diesen Farbstoff. Versuche die Futtertiere mit „edelsüßer Paprika“ in Pulverform oder in Wasserschalen gereichte Bachflohkrebse erzielten keine Besserungen. Angeblich soll es durch Einsatz von „NektonRep COLOR“ bereits gelungen sein die Bäuche in rot zu halten, jedoch konnte mir dies noch niemand nachweißen. Ob es noch andere Farbstoffe ähnlich des Canthaxantin gibt, die man einsetzen könnte, ist mir unbekannt.
Richten wir uns dem natürlichen Nahrungsspektrum zu. Bevorzugt fressen Unken kleine und weiche Futtertiere. Dementsprechend oft füttere ich Regen- und Laubwürmer aus dem Garten. An zweiter Stelle füttere ich gerne kleine Nacktschnecken die ich mir durch Laub in meine Dendrobatenbecken geschleppt habe. Zu große Insekten wie ausgewachsene Heimchen empfehle ich nicht. Sie sind für die Bombina orientalis schwer runter zu bekommen. Zudem sollen auch schon Verletzungen durch den Legestachel eines weiblichen Heimchens aufgetreten sein. Von Fliegenmaden halte ich Abstand, sie sollen sehr robust sein und sich auch schon durch Mägen gefressen haben. Dies hätte den unweigerlichen Tod zur Folge. Zudem sind Maden sehr Fettig und können zu Verfettung führen. Dies kann schwerwiegende Organschäden hervor rufen, so die Beobachtungen von langjährigen Haltern. Die im Zoohandel angebotenen Futtertiere halte ich für nur bedingt geeignet. Oft weisen sie sehr schlechte Nährwerte auf, welche durch das sogenannte „Good loading“ aufgewertet werden müssen. Tropische weiße Asseln stehen an dritter Stelle. Sie vermehren sich von selbst im Landteil, so haben die Unken immer eine Beschäftigung und die Möglichkeit ihr Jagdverhalten zu trainieren. Was ich ebenfalls für sehr wichtig erachte.
Fütterungen mit Pinzetten erachte ich nur dann für gerechtfertigt wenn ein Tier durch eventuelle Krankheiten abmagert oder im Konkurrenzkampf mit anderen Unken um Futter den Kürzeren zieht.
Eine abwechslungsreiche Ernährung muss Voraussetzung für eine Haltung sein. Zudem bin ich der Meinung dass eine Abwechslungsreiche Ernährung, vor allem durch Wiesenplankton, die Zugabe von Vitaminpülverchen vernachlässigbar bis unnötig macht. Gegen Herbst/Frühjahr wird sich im Garten aber nicht viel finden lassen. Gerade vor der Winterruhe ist es unerlässlich für einen guten Ernährungszustand bei den Tieren zu sorgen, denn sie müssen für einige Monate ohne Nahrung auskommen. Nur hier halte ich entsprechende Zugaben von Vitamin- und Mineralzusätzen für sinnvoll.
Vor der Anschaffung:
Ein paar Dinge sollten aber beachtet werden:
1.: Unken haben ein Wehrsekret das stark Schleimhaut reizend ist, und damit sehr unangenehm werden kann! Ich durfte schon die Erfahrung machen… Wer kleine Kinder zuhause hat, sollte auf jeden Fall für ein verschlossenes Terrarium sorgen, am besten außerhalb der Reichweite der Kinder.
2.:In manchen Regionen Deutschlands ist eine Anmeldung bei dem, je nach Region, zuständigen Amt notwendig. Welche nötigen Informationen angegeben werden müssen, sollte vorab abgeklärt werden. Auch wenn es nicht notwendig sein sollte, würde ich auf die Ausstellung eines Herkunftsnachweißes nicht verzichten. Bei Wildfängen oder Nachzuchtimporten aus anderen Ländern muss immer eine CITES-Bescheinigung dem Käufer ausgehändigt werden.
Wichtig: Oft wird in Zooläden des Bundeslandes Baden-Württemberg behauptet Unken seien nicht meldepflichtig. Dies ist aber falsch! Wer der Meldepflicht nicht nach kommt, riskiert Geldbußen und die Konfiszierung seiner Tiere.
3.: Unken sind Ausbruchskünstler! Es ist schon vorgekommen dass adulte Tiere nicht gesicherte Schiebescheiben aufgestemmt haben oder sich durch nicht ganz geschlossene Scheiben gezwängt haben. Die Folge eines Ausbruchs ist zu 98%iger Wahrscheinlichkeit das austrocknen eines Tieres und damit sein Tod, wenn es nicht rechtzeitig bemerkt wird! Zu empfehlen ist es auf jeden Fall ein Terrarienschloss anzubringen um sicherzustellen dass die Scheiben nicht geöffnet werden können.
4.: Wie alle Haustiere benötigen auch diese Tiere ihre Zeit. Es sollte regelmäßig das Wasser im Wasserteil gewechselt werden, bei zu dichtem Pflanzenwuchs sollte etwas entgrünt werden und Kot sollte regelmäßig entfernt werden. Dies alles nimmt Zeit in Anspruch, die viele Kinder/Jugendliche nicht investieren wollen. Dementsprechend bitte ich alle Eltern und auch alle diejenigen, die diesen Artikel lesen, vor unüberlegten Käufen abzusehen!!
Das Aquaterrarium:
Unken werden am besten in einem Aquaterrarium gehalten, das mindestens einen Wasserteil von 50% haben sollte, als Faustregel gelten 70% Wasserteil und 30% Landteil, was ich aber für überholt halte in meinen Augen muss die Größe der Behausung darüber mitentscheiden!
In meinem 60x45x45cm (LxBxH) Aquaterrarium habe ich 45% Landteil und 55% Wasserteil ausgearbeitet. Die Rückwand wurde damals noch mit flexiblem Fliesenkleber und Epoxidharz gestaltet. Heute würde ich dies nicht mehr machen, da mit die 2K-PU-Kleber Methode eher zusagt. Mir ist nur wichtig, das Terrarium zu allen drei Seiten, also Rückseite und Seitenwände, Blickdicht zu halten, um mehr Rückzugsmöglichkeiten zu bieten. Empfehlen kann ich ExoTerra Terrarien. Durch ihren Scheibenverschluss können Unken die Frontscheiben nicht aufdrücken, und sie bieten die Möglichkeit eine geeignete Wassertiefe zu gewährleisten.
Zudem bieten diese Terrarien durch ihre große Gazefläche einen guten Luftaustausch. Dieser ermöglicht es die Luftfeuchtigkeit besser zu steuern. Ist jene zu niedrig, so kann durch das abdecken von z.B. der Hälfte der Lüftungsfläche eine Erhöhung der Luftfeuchtigkeit erreicht werden. Allerdings muss ich anmerken, dass ich auch ohne abdecken der Lüftungsfläche sehr konstante Luftfeuchtigkeitswerte von 65-70% erreiche. Nachts steigt die Feuchtigkeit auf etwa 80% an, was aber nicht weiter schlimm ist.
Wichtige Parameter:
Für eine erfolgreiche und artgerechte Haltung sollten drei wichtige Parameter eingehalten werden: Luftfeuchtigkeit, Lufttemperatur und Wassertemperatur.
Gerade letzterer sollte unter der Lufttemperatur liegen, da Bombina orientalis im Wasser gerne Abkühlung suchen. Und dort auch gelaicht wird. Nun aber zu den Werten.
Die Temperatur der Luft sollte während des Tages zwischen 22°C und 26°C aufweisen. Dabei ist auf die Einrichtung verschiedener Temperaturzonen zu achten.
Die Wassertemperatur halte ich immer zwischen 18°C und 20°C. Quappen die ich in wärmerem Wasser auf zog, wiesen später eine geringere Größe auf, zudem sind weniger Tiere an Land gegangen. Ich vermute das bei zu warmen Temperaturen des Wassers die Metamorphose zu früh einsetzt und die an Land gehenden Jungunken nicht oder nur teilweise Überlebensfähig sind.
Zu guter letzt noch die Luftfeuchtigkeit. Optimal sollte diese zwischen 60% und 70% liegen. Nachts steigt die Luftfeuchte auf 80-90% an, was aber nicht weiter schlimm ist. Dauerhaft hohe Werte sollten vermieden werden.
Was die Wasserqualität angeht sind Unken sehr anspruchslos. Zu hartes Wasser würde ich aber nicht empfehlen. Zudem ist auf einen möglichst niedrigen Nitratwert zu achten. Ich habe 2008 fünf Nachzuchten in leicht Nitrat haltigem Wasser aufgezogen. Alle fünf Tiere wiesen später Leberschäden auf, in einem zweiten Versuch 2009 erhielt ich das selbige Ergebnis was mich zum Schluss kommen lässt, das Nitrat bei der Aufzucht von Quappen nicht immer vernachlässigt werden sollte.
Einrichtung:
Die Einrichtung spielt in meiner Ansicht eine große Rolle. Im Wasserteil sollten Holzwurzeln und Wasserpflanzen eingebracht werden und es ist unerlässlich dafür zu sorgen, dass die Unken ohne Probleme vom Wasserteil auf den Landteil, sowie umgekehrt, wechseln können. Zudem sollten verschiedene Wassertiefen gegeben sein. In meinem Wasserteil liegt eine etwas größere Wurzel, welche es den Tieren erlaubt sowohl aus dem Wasser zu gelangen, als auch in nur wenigen Zentimeter tiefem Wasser zu sitzen.
Landteil und Seitenwände sind bei mir mit diversen Ranken bepflanzt. Gerade Philodendron hat sich bewährt. Er wächst sehr dicht und die großen Blätter bieten nicht nur Schutz sondern zusätzliche Klettermöglichkeiten welche unbedingt gegeben sein sollten, wenn schon keine Rückwand gegeben ist.
Der Landteil sollte über eine Drainage verfügen, am besten mit einem zusätzlichen Abfluss. So kann das versumpfen des Landteils vermieden werden. Auch der Landteil ist bei mir mit Philodendron bepflanzt. Das Substrat besteht aus einfachen und unbehandelten Anzuchterden, welche noch nichteinmal NPK-Dünger enthalten. Zusätzlich werden einige Zeit vor dem Einzug der eigentlichen Bewohner einige tropische weiße Asseln und Springschwänze angesiedelt, welche später abgestorbene Pflanzenteile fressen und zusätzliche Nahrung darstellen.
Technik:
Hier möchte ich auch genauer auf die Technik für die Aquaterrarien eingehen. Zunächst möchte ich hier Anmerken, dass Lampen nicht in die Aquaterrarien gehören! Zwar sind mir nie Berichte zu Ohren gekommen, Tiere hätten sich an Lampen verbrannt, jedoch sollten so wenig stromführende Elemente wie möglich im Becken vorhanden sein, denn Wasser und Elektrizität vertragen sich nicht gut! Wer unbedingt UV Lampen einsetzen möchte, sollte diese über dem Lochblech, besser über Gaze anbringen. Einzig wichtig für den Innenbereich des Aquaterrariums erscheint mir ein kleiner Aquarienfilter für den Wasserteil, der das Wasser etwas in Bewegung hält und filtriert. Eine zusätzliche Beheizungsmöglichkeit ist nicht notwendig, kann in vielen Fällen sogar von Nachteil sein, oft reicht die Abwärme der Beleuchtung aus.
Und hier sind wir bei jenem Thema, welches mir hier am wichtigsten erscheint. In „Fach-“ Geschäften werden oft die ExoTerra „ReptilGlo“ Lampen angepriesen. Jedoch wissen oft selbst die Verkäufer nicht, was sie da verkaufen. Die ReptilGlo Serie ist meiner Meinung und Erfahrung nach gefährlich für Tiere! Messungen ergaben, dass die 10.0 Ausführung nur sehr wenig, bis hin zur 20-fachen Überdosis der empfohlenen UV-Dosis abgibt. Die 2.0 Versionen geben erst gar kein UVB ab. Zudem schädigen diese Lampen, sowie auch die 5.0 Version, die Augen der bestrahlten Tiere zusehend. Bis 2007 hielt ich selbst meine Nachzuchten unter solchen Lampen. Im Vergleich zu meinen Nachzuchten, welche unter normalen T5/T8 Röhren oder einfachen Sparlampen heran wuchsen, zeigten sie alle leichte Augentrübungen. Im nebenstehenden Bild ist ein Tier zu sehen, welches vom Vorbesitzer rein unter ReptilGlo-Lampen (in diesem Fall 5.0 und 10.0) gehalten wurde. Alle vier Tiere dieses Vorbesitzers zeigen solche Symptome auf. Es sollte sich nun mit dieser Information für selbstverständlich erklären, solche Lampen weder zu kaufen noch einzusetzen.
Winterruhe:
Bevor die Tiere in die Winterruhe gehen, sollte unbedingt eine Kotprobenuntersuchung gemacht werden! Denn nur gesunde Tiere überleben mit 100%iger Wahrscheinlichkeit.
Eine Winterruhe ist anzuraten, am besten eignet sich ein Kellerraum oder ein Kellerschacht in dem die Temperaturen langsam von Zimmertemperatur auf minimal 5°C absinken. Die Unken bekommen ab Mitte Oktober nichts mehr zu fressen, ab dieser Zeit sollte eine Temperatur von etwa 18°C herrschen. Ende Oktober, Anfang November kommen die Tiere, wenn sie es nicht schon sind, in einer ausreichend großen Box in den dafür vorgesehenen Kellerraum/Kellerschacht. Ab dieser Zeit sollte die Temperatur von 18°C bis Mitte Dezember langsam auf minimal 5°C fallen. Der Zustand wird bis Anfang Februar bei minimal 5°C und maximal 10°C gehalten. Anfang März wird diese Prozedur in umgekehrter Richtung durchgeführt, so dass die Tiere gegen Mitte, Ende März wieder ihr Sommerquartier beziehen können. Bei der Einleitung und Beendigung der Winterruhe ist es unbedingt notwendig darauf zu achten keine Temperatursprünge von mehreren °C zu verursachen! Der Stoffwechsel ist äußerst empfindlich in diesen Phasen und wird durch zu schnelles abkühlen oder aufwärmen geschädigt.
Für die Winterruhe verwende ich für vier Tiere eine 20x20x20cm Box, welche einen Wasserstand von ein bis zwei Zentimetern aufweist und durch Korkstücke oder einen Kalkfreien Stein einen trockenen Bereich bietet.
Zucht und Aufzucht:
Da es mir momentan an vernünftigen Bildern fehlt, möchte ich zu diesem Thema ein anderes mal Berichten.